Review: Totenstadt

Totenstadt – Im Gänsemarsch durch die Apokalypse

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Gibt es eigentlich genug Zombie-Spiele? Vermutlich nicht. Doch anstatt Figuren über einen Spielpan zu schieben, läuft bei Totenstadt alles mit Spielkarten und Würfeln ab. Nachdem ich mir von den sympathischen Machern auf der SPIEL 2016 das Spielprinzip erklären ließ, erreichte mich auch ein Rezensionsexemplar der Deluxe-Version.

 

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Leider war die Qualität der Fotos vom Testspiel so schlecht, dass ich den Spielaufbau für den Artikel noch einmal nachgestellt habe.

Kurzübersicht:
Autoren: Florian Möller und Gunnar Sadlowski
Verlag: Blood ’n Brain
Spieler: 1 – 6
Dauer laut Hersteller: 45 bis 60 Minuten
Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Worum geht’s?

Ein Meteoritenhagel hat die Menschheit an den Rand ihrer Existenz gebracht. Mit dem Gestein aus dem Weltall kam eine Seuche auf die Erde, die die meisten Menschen in Zombies, Mutanten oder einfach nur Verrückte verwandelte. Wer nicht betroffen war, suchte Schutz in unterirdischen Einrichtungen wie U-Bahnschächte. Kleine Trupps von Freiwilligen gehen nun an die Oberfläche, um dringend benötigte Ressourcen zu bergen.
Die Spieler in Totenstadt übernehmen die Rolle eines solchen Trupps und müssen sich bei ihrer Suche durch die widrigen Bewohner der Oberfläche kämpfen.

Wie spielt sich’s?

Jeder Spieler übernimmt die Kontrolle eines Söldners im Erkundungstrupp. Jeder Charakter hat seine eigenen Fähigkeiten, die ihm beispielsweise Boni im Kampf oder bei der Verwendung bestimmter Ausrüstungsteile geben. Ob sich die Spieler ihre Charaktere aussuchen oder verdeckt ziehen, bleibt dabei der Gruppe überlassen. Wer das Spiel besser kennt, kann natürlich einen taktisch vorteilhaften Trupp zusammenstellen.


Jeder Charakter trägt Taschen mit sich herum, in die er Waffen oder andere Gegenstände stecken kann. Dabei gewährt die Hüfttasche schnellen Zugriff auf die Ausrüstung, während es mehr Zeit in Anspruch nimmt, etwas aus dem Rucksack zu holen. Beim Ausrüsten muss sich jedoch entschieden werden, ob der Söldner die Taschen als Waffenholster oder als Tasche für Gegenstände anlegt. Bevor es losgeht, erhält jeder Charakter noch zwei zufällige Karten aus dem Ausrüstungsstapel.
Die ausgerüstete Truppe reiht sich im Gänsemarsch ein, um in die Totenstadt aufzubrechen.


Der Ausflug ist natürlich nicht ziellos. Normalerweise gilt es, eine der neun Missionen zu erfüllen. Das kann beispielsweise das besorgen bestimmter Ausrüstung, das Töten eines bestimmten Gegners oder das auffinden wichtiger Personen sein. Wer eine größere Herausforderung sucht, kann auch mehrere Missionen parallel spielen oder einfach versuchen, so lange wie möglich an der Oberfläche zu überleben.
Anstatt sich über einen Spielplan zu bewegen, wird in der Runde für jeden Söldner eine Karte vom Nachziehstapel, dem Begegnungsstapel, aufgedeckt. Dahinter verbergen sich Gegner, die es zu töten gilt, Überlebende, Ereignisse und Umgebungskarten. Ereignisse werden meistens zuerst abgehandelt und verschlechtern die Situation in der Regel. So strauchelt der Trupp etwa in eine Sackgasse oder gerät in ein Rattennest.

Kampf um ’s Überleben

Die Gegner werden per Zufallsprinzip auf die Söldner aufgeteilt. So kann sich mancher mit mehreren Angreifern konfrontiert sehen, andere haben eventuell Glück und es fällt keiner über sie her.
Jeder Feind hat, wie die Söldner, seine eigenen Kampfwerte und Sonderregeln. Ein Söldner greift einen Gegner an, indem er seine Nah- oder Fernkampfwerte, die sich aus seinen Grundwerten, den Waffenboni und Sonderfähigkeiten zusammensetzen, addiert. Entsprechend dieser Zahl darf er nun W6 würfeln. Jede Vier, Fünf und Sechs ist normalerweise ein Treffer und werden direkt von den Werten des angegriffenen Gegners abgezogen. Benachbarte Kämpfer können sich gegenseitig unterstützen, daher ist es sinnvoll, schwächere Söldner von Kampfexperten flankieren zu lassen.


Schusswaffen haben ein paar Vorteile. In der Regel sind sie stärker und erlauben es, langsame Gegner aus der Entfernung zu töten. Blöderweise verursachen sie auch Lärm. Steigt der Lärmpegel der Expedition zu hoch, bricht die Horde los. Diese speist sich aus einem gewissen Kartengrundstock und besiegten aber nicht getöteten Gegnern. Kommt es zum Ausbruch der Horde, wird die Gruppe vom gesamten Hordestapel attackiert. So ein Kampf kann die Söldner schon bis an den Rand ihrer Vernichtung und darüber hinaus bringen.
Steht am Ende einer Begegnung zumindest noch ein Söldner, können die anderen sich wieder regenerieren. Sie sind dann zwar angeschlagen und haben eventuell einen Teil ihrer Ausrüstung eingebüßt, doch es kann weitergehen.

I’m a Survivor, Baby!

Sind die Spieler anderen Überlebenden begegnet, können sie diese auf ihrer Mission mitnehmen und von deren Boni profitieren. Das funktioniert nach dem Zufallsprinzip. Wenn es gut läuft, läuft es gut, wenn nicht, bauen die Überlebenden Mist und machen im harmlosesten Fall Lärm. Die Söldner sollten sich also gut überlegen, ob sie die Überlebenden in der Gruppe behalten oder wegschicken.
Zwischen den Begegnungen haben die Spieler die Möglichkeit, in Ruhe ihre Ausrüstung zu tauschen, eine neue Marschordnung festzulegen und sich auf den nächsten Ansturm vorzubereiten.
So geht es in der Totenstadt weiter, bis das Missionsziel aus dem Begegnungsstapel gezogen wird. Dann kommt es zum dicken Showdown, und die Stadt wirft den Söldnern noch einmal ihre ganze Horde entgegen. Ist die Mission dann geschafft, können die Spieler ihre Charaktere behalten und mit der erbeuteten Ausrüstung ins nächste Abenteuer starten.

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Mit, ohne und doch wieder mit Crowdfunding

Totenstadt sollte zuerst per Crowdfunding über Kickstarter finanziert werden. Das Ziel wurde dabei allerdings nicht erreicht. Die Macher entschieden sich daraufhin, das Spiel aus eigener Tasche zu finanzieren und in kleinerer Auflage in einer normalen und der Deluxe-Version auf den Markt zu bringen. Das Spiel verkauft sich, auch dank der SPIEL, bisher so gut, dass sich eine Neuauflage lohnt. In die Version sollen nicht nur die Überlegungen der Entwickler, sondern auch Feedback und Verbesserungsvorschläge aus der Community mit einfließen. In den kommenden Monaten soll daher eine neue Crowdfunding-Kampagne für die Version 2.0 gestartet werden.

Das Gute und das Schlechte am Weltuntergang

Totenstadt bringt spannende und gut spielbare Aspekte in das Zombie-Apokalypse-Genre, doch nicht überall funktioniert das reibungslos.
Für die Rezension stand die Deluxe-Version zur Verfügung. In der Variante sind die Karten ca. 15 mal 10,5 cm groß. Neben mehr Platz für die Illustrationen steht zu den Namen der Sonderfähigkeiten und Eigenschaften der Erklärtext mit auf den Karten. Das ist für den Spielfluss ein großer Vorteil gegenüber den ca. 9 mal 6 cm großen Karten der Standard-Version. So erspart dies unserer Testrunde ein ständiges Nachschlagen im Regelheft. Durch die Größe der Karten ist leider der Tisch schnell ziemlich voll. Besonders wenn viele Gegner im Spiel sind füllt sich die Spielfläche rasch, und es muss öfters die Auslage etwas neu sortiert werden. Es wäre bereits hilfreich, wenn die Felder für Lebenspunkte und ähnliches bereits mit auf den Gegnerkarten drauf wären, und nicht als extra Karte jedes Mal drunter gelegt werden müssten. Genug Platz dafür wäre auf den Deluxe-Karten vorhanden.

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In den Original-Regeln (eine Alternative ist bereits im Netz veröffentlicht und soll wohl auch in der oder ähnlicher Form in die nächste Überarbeitung mit aufgenommen werden) treten die Söldner gegen den kompletten Begegnungsstapel an, in den die Zielkarten reingemischt werden. Bei der Menge an Karten kann es sein, dass sich das Spiel eine ganze Weile hinzieht oder auch schon nach kurzer Zeit endet. Nach den neuen Regeln wird nicht der komplette Stapel genutzt, sondern eine auf die Anzahl der Spieler abgestimmte Menge an Begegnungskarten. Das funktionierte im Testspiel sehr gut.

Leider gibt es in dem gesamten Begegnungsstapel nur zwei Umgebungskarten mit denen die Söldner interagieren können. Der Müllcontainer und die Leiche können beispielsweise durchsucht oder benutzt werden (das klingt so falsch…). Insgesamt könnte es für die Söldner mehr Möglichkeiten geben, neue Ausrüstung zu finden. Manche Gegenstände sind erst sinnvoll, wenn man weitere passende Teile gefunden hat. So lässt sich beispielsweise ein Benzinkanister mit einer leeren Flasche zu einem Brandsatz kombinieren. Es ist jedoch schwer, das zweite passende Teil zu finden, während der Kanister Platz in der Tasche wegnimmt. Hinzu kommt, dass jede Gelegenheit, Gegenstände zu finden, ein Risiko birgt. Manchmal finden die Abenteurer nichts, manchmal kommen sogar Gegner oder der Lärmpegel steigt. Öfter die Möglichkeit zu haben, etwas zu finden oder mit der Umgebung zu interagieren würde das Spiel actionreicher machen und die Entscheidung, einen Gegenstand zu behalten, wäre schwerer. So landen Teile ohne passende Verwendung schnell wieder im Straßengraben.

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Für die Neuauflage der Regeln wäre es schön, wenn die Autoren eine Seite mit einem übersichtlichen Ablauf der Runde einfügen. Im Testspiel war in manchen Fällen nicht ganz klar, welche Handlung wann genau gemacht werden muss. Aufgrund der Boxgröße ist das Regelheft natürlich im Format eingeschränkt. Das führt aber leider dazu, dass wir immer wieder mehrere Seiten hin und her blättern mussten, um beispielsweise herauszufinden, wann wir die Fähigkeiten der Überlebenden nutzen können und ob wir sie danach wegschicken dürfen oder erst bis nach der Begegnung damit warten müssen und so weiter. Eine kompakte Zugübersicht wäre zwischendurch sehr hilfreich gewesen.

Die Kritikpunkte sind kleine Dinge. Da jedoch eh eine Neuauflage ansteht ist das ein guter Zeitpunkt, um noch ein paar Ecken abzufeilen.

Fazit

Totenstadt ist ein kooperatives Monster-Apokalypse-Spiel, das ohne Spielplan und Figuren auskommt. Das funktioniert gut. Den größten Teil des Spieles verbringen die Spieler mit dem Bekämpfen zufällig gezogener Untoter, Verrückter und Mutanten. Erkunden und Ressourcenmanagement spielt dagegen kaum eine Rolle. Zwischendurch stehen die Söldner vor der Entscheidung, ob sie Überlebende von der Straße auflesen und in ihren Treck integrieren.
Das Spiel bietet spaßiges Gemetzel, hat aber ein paar Ecken und Kanten, die noch abgeschliffen werden könnten. Dafür bietet die geplante Version 2.0, die per Crowdfunding finanziert werden soll, eine gute Gelegenheit. Wer den Machern von Totenstadt in den sozialen Netzwerken folgt, der sieht, dass sie sich beständig bei der Communitiy nach Vorschlägen und Ideen für Verbesserungen erkundigen und auf Feedback auch direkt eingehen.

Link: Totenstadt Website (externer Link in neuem Tab)

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4 Gedanken zu „Review: Totenstadt

  1. nexus665 sagt:

    Klingt auf jeden Fall interessant. Die 2.0er Version werde ich mir auf jeden Fall mal genauer anschauen! Weisst du schon genaueres, wann und wo das Crowdfunding laufen wird?

  2. Wann? Anscheinend demnächst. So wie sich das bisher liest wohl Ende Februar oder im März.
    Wo? Höchstwahrscheinlich wieder über Kickstarter, es sei denn, die werfen kurz vor knapp alles nochmal um. 🙂

  3. nexus665 sagt:

    Prima, ich behalt´s auf jeden Fall mal im Auge:)

  4. […] auf den kommenden Kicktarter für das 2.0 Update! 🙂   Hier geht es direkt zum Review: https://olafsons.wordpress.com/2017/02/12/review-totenstadt/?preview=true Mit untoten Grüßen, euer Totenstadt Team […]

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