In Essen spielt man

Die SPIEL ’16 ist vorbei, jetzt kommt mein Nachbericht – in mehreren Teilen.

Update 18.10.: Links zu den Verlagen am Ende des Beitrags

Zwei Tage Internationale Spieletage SPIEL ’16 liegen hinter mir. Am Samstag und Sonntag begab ich mich nach Essen im Ruhrgebiet und habe mir ausgiebig Neuheiten angeschaut, Freunde und Bekannte getroffen sowie mir tüchtig die Füße platt gelaufen.
Dieses Jahr ging die Veranstaltung mit einem Besucherrekord zu Ende. 174.000 Spielefans strömten zu den Hallen am Grugapark, so dass die Veranstalter die Tore jeden Tag vor offiziellem Einlass öffnen mussten, um die Foyers zu entlasten. Von den über tausend Neuheiten konnte ich natürlich nur einen Bruchteil sehen. Meine überschaubare Auswahl will ich euch in den kommenden Tagen vorstellen.

Direkt zu Beginn ließ ich mir am Samstag Exit von Kosmos erklären. Die Spielreihe greifet das Thema der Escape Rooms auf. Escape Rooms sind Event-Räume, in denen sich eine Gruppe von Spielern für eine Stunde „einsperren“ lässt. In der Zeit müssen sie eine Reihe von Rätseln lösen, um sich wieder zu befreien. Die Räume haben dabei immer ein Thema, wie ein Labor oder eine Grabkammer. In den aufwendig gestalteten Zimmern sind zahlreiche Hinweise versteckt, die von Aufgabe zu Aufgabe führen. Exit bringt das Prinzip im Schachtelformat auf den Spieltisch. In den Boxen befinden sich Rätsel zu einem Thema. Die Aufgaben bauen aufeinander auf und sollen sich in gut einer Stunde lösen lassen. Die Spiele sind so gestaltet, dass sie sowohl als Solo-Knobelei oder bis zu sechst spielbar sind. Bei einer Partie wird der Inhalt allerdings teilweise zerstört, da Karten zerrissen oder gefaltet werden müssen. Kosmos peilt daher mit rund 13 € UVP einen niedrigen Preis an, den sich eine Spielerunde teilen kann. Deswegen sind die beweglichen Teile, wie die Dekodierscheibe, auch aus dünnerem Material, als es etwa bei einem Brettspiel zu erwarten wäre. Bisher gibt es Exit als „Die Grabkammer des Pharao“, „Die verlassene Hütte “ und „Das Geheime Labor“.

Noris hat ein ähnliches Spiel herausgebracht – überhaupt waren die Escape Rooms ein Trendthema der Messe – das aber ein etwas anderes Konzept verfolgt.
Bei Escape Room – Das Spiel stehen die Spieler im Grunde vor der gleichen Aufgabe: Sie müssen die Rätsel innerhalb von 60 Minuten lösen. Allerdings ist der Spielinhalt deutlich aufwendiger gestaltet. Das Grundspiel beinhaltet vier Abenteuer (Nuclear Countdown, Temple of the Aztec, Prison Break und Virus). Diese sind in einzelnen Dossiers verpackt. Die Spielleitung übernimmt der Chrono Decoder, eine Kiste, welche die Zeit runter zählt, dabei einen Spannung erzeugenden Rhythmus abspielt und über passend gesteckte Schlüssel weitere Hinweise freigibt. An dieser elektronischen Kiste befinden sich auch Decodier-Tabellen. In den Dossiers befinden sich beispielsweise ein Puzzle, das erst zusammen gelegt den Plan der Bombe offenbart, oder Texte, die nur mit Farbfilterfolien gelesen werden können. Auch Noris lässt die Spieler manche Dokumente knicken und beschreiben. Jedoch können alle Verbrauchsmaterialien kostenlos als PDF aus dem Netz geladen und neu ausgedruckt werden. Dadurch kann das Spiel nach einmaligem Lösen weitergegeben werden. Später sollen einzelne Abenteuer als Erweiterungen herausgebracht werden.

Beide Verlage haben für die Messe spezielle Demo-Abenteuer produziert, um das eigentliche spiel nicht zu spoilern.

Horrible Games haben inzwischen Potion Explosion, dass ich 2015 auf dem Heidelberger-Event in Bacharach noch als Prototyp ausprobieren durfte, inzwischen längst auf den Markt gebracht und planen eine Erweiterung. Diese bringt vier neue Tränk ins Spiel. Hinzu kommen neue Professoren, die Einfluss auf den Spielverlauf nehmen. Mit der weißen Murmel wird eine Joker-Farbe dem Zutatenspender hinzugefügt.
Neu auf der Spiel präsentierten die Italiener Raise your Goblets, zu deutsch und im Vertrieb der Heidelberger: Hoch die Becher. Bei diesem Bluff-Spiel haben die Spieler Kelche vor sich, in die sie Wein, Gift oder Gegengift in Form kleiner Glassteine füllen. Danach werden die Becher durch Aktionskarten und Fähigkeiten der Spieler-Charaktere getauscht, und irgendwann wird getrunken. Ziel ist es, zu überleben und seinen Ziel-Mitspieler zu vergiften. Jeder sieht allerdings nur, was in dem Becher vor sich drin ist. Der Wein ist dabei ein Bluff-Mittel.
Zu diesem Spiel wird es demnächst auch eine ausführliche Rezension von mir geben.

Friedman Friese hat seinen Klassiker Funkenschlag als Kartenspiel aufgelegt. Im Grunde spielt es sich wie das Brettspiel (Die deluxe Version habe ich auf der Spiel 14 angespielt), verzichtet aber auf den Spielplan und somit auf das Bauen von Leitungen. Die Spieler kaufen Kraftwerke vom Auktionsstapel und müssen sie danach mit Rohstoffen versorgen, um Strom zu produzieren.

Twilight Creations hatten natürlich wieder Erweiterungen zu Zombies!!! im Gepäck. Inzwischen gibt es Nummer 14, das die Spieler in den Weltraum katapultiert. Mit der dritten Auflage des Grundspiels kommen Szenarios hinzu. Wer eine der vorangegangenen Editionen hat, soll sich die Regeln demnächst von der Homepage des Verlages downloaden können. Für mehr Szenario-Spaß gibt es eine zusätzliche Box mit neuen Aufgaben. Wer die Zombie-Action gerne mit seinen Kindern spielen möchte, kann auf Zombies!!! Jr. zurückgreifen. In diese niedlichen Varinate wird mit „Narf Guns“ geschossen.
Auch die Großen Alten kommen bei dem Verlag ins Programm. Cthulhu!!! ist eine Zombies!!!-Variante in der die Spieler gemeinsam gegen Lovecraftsche-Kreaturen und Kultisten kämpfen. Auch dazu wird es demnächst einen ausführlichen Spielbericht geben.

Barracuda habe ich mir rausgepickt, weil der Verlag einen so schönen Namen hat: Drei Hasen in der Abendsonne. Das Spiel entpuppte sich , erklärt von Autor Christoph Cantzler selber, als schön gestaltetes Kauf- und Bietspiel. Die Spieler müssen Strandbars eröffnen und ihre Figuren als Pächter hineinsetzen. Bars mit zwei Plätzen können auch einen Partner aufnehmen. Ziel ist es, alle fünf Figuren in den Bars unterzubringen. Im Laufe des Spiels können die Bars untereinander verkauft oder versteigert werden. Will ein Spieler Partner werden, macht er dem Pächter ein geheimes Angebot. Nimmt der Pächter an, darf der neue Partner Platz nehmen. Der Pächter muss jede Runde Pachtgebühr zahlen, also sollte er zusehen, dass zwischendurch auch Geld reinkommt. Lehnt der Pächter ab, muss der andere Spieler den doppelten Betrag seines Angebots an die Bank zahlen. Also sollte er sich das gut überlegen und ein möglichst attraktives Angebot machen. Später kann ein Spieler allerdings auch versuchen, die Pacht zu übernehmen, indem er ein Übernahmeangebot macht. Wird dies vom Pächter abgelehnt, muss diesmal der Pächter dem Interessenten das Doppelte zahlen. Überlässt er ihm hingegen die Bar, hat der neue Pächter nun jede runde die Gebühren an der Backe. Mit Geld lässt sich hier viel erreichen, da man es vermeiden muss, Bankrott zu gehen. Auch zu Barracuda wird es von mir eine ausführliche Rezension geben.

Zum Abschlus des heutigen Berichts eine eher unschöne Sache: Dem Verlag LudiCreations wurde am Messe-Samstag die Kasse gestohlen. Vermutlich professionalisierte Diebe lenkten das Standpersonal ab und entwendeten die Tageseinnahmen. Für das Team war das natürlich ein herber Rückschlag, sowohl finanziell als auch emotional.
In kurzer Zeit solidarisierten sich einige Spieledesignern, die über Nacht ein Mini-Game entwickelten. Für das Spiel Steal this Game wurde direkt am Sonntag eine Kickstarter-Kampagne erstellt, mit der dem Verlag finanziell unter die Arme gegriffen werden soll. In dem Bluff-Spiel, das auf eine Postkarte passt, muss der Standbesitzer seine Einnahmen bewachen, während der Dieb versucht, den richtigen Koffer zu finden. Inzwischen sind schon über 15.000 € zusammen gekommen. Für 5 € erhalten die Backer das Spiel und unterstützen LudiCreations. Ich selbst habe das sympathische Team 2015 in Bacharach kennen gelernt, als sie ihr Agenten-Spiel [redacted] vorstellten und hoffe, dass sie sich von dem Rückschlag wieder gut erholen.
Link zur Kickstarter Kampagne (extener Link in neuem Tab)

Links zu den Verlagen dieses Beitrags:
Kosmos
Noris
Horrible Games
2F-Spiele
Twilight Creations Inc
Drei Hasen in der Abendsonne
LudiCreations
(alle Links sind extern und in neuen Tabs)

Damit beende ich Teil 1 meines persönlichen Messeüberblicks. Weitere Eindrücke und Spielvorstellungen wird es in den kommenden Tagen geben.

Getaggt mit , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: