Review: Nord

Derzeit läuft auf der Spieleschmiede Crowdfunding-Plattform die Finanzierung des Strategiespiels „Nord“, von Kronberger Spiele.
Ich bekam von der Spiele-Offensive die Möglichkeit, einen Prototyp des Spiels zu testen.

Nord_Spielaufbau

Unser Startaufbau

Nord ist ein Strategiespiel für 2-4 Spieler. Die Spieler tummeln sich auf der Insel Vestvågøy und ringen um Ruhmespunkte. Jeder Spieler startet in seiner Siedlung und dehnt sich über die Insel aus. Dabei bilden die Spieler miteinander Bündnisse oder lösen Konflikte aus. Zwischendurch wird auch mal ein fremder Jarl umgebracht.
Auf den ersten Blick fühlte ich mich an Carcassone erinnert, wo man ebenfalls eine große Menge Meepel auf quadratische Felder stellt um Punkte zu generieren.
Das war natürlich nur der erste Eindruck.

Nord_ErsteExpansion

Die ersten Arbeiter ziehen aus.

Das Spiel spielt sich überraschend flüssig. Überraschend deshalb, weil die Regeln so umständlich formuliert sind, dass wir mit fünf Mann darüber saßen und uns den Kopf zerbrachen wie die Beschreibungen der Situationen wohl gemeint sind. Am Ende stellten wir Schritt für Schritt die Beispiele in den Regeln auf dem Feld nach und verstanden so, was gemeint ist.
Ich hoffe sehr, dass sich bis zum fertigen Produkt hin noch etwas an den Regeln tut. Nicht an den Mechanismen sondern an den Formulierungen.

Nord_Spieltisch

Typischer Spieltisch

Was steht nun drin, in den Regeln?
Bei Nord ist das zentrale Element das Platzieren von eigenen Gefolgsleuten. Pro Zug kann man zwischen 1-3 Landarbeiter oder 1-2 Seearbeiter ausgehend von der eigenen Siedlung platzieren. Trifft ein eigener Arbeiter auf einen gegnerischen, bildet sich ein Bündnis. Bündnisse können aus mehreren Fraktionen bestehen. Kommt der aktive Spieler durch das Bündniss nun mit einer Siedlung in Berührung, in der er noch keinen eigenen Krieger platziert hat, entsteht ein Konflikt. Die eigenen Meepel, die zwischen ausgehender und neuer Siedlung stehen schmeißen sich in den Kampf. Ein Teil der Krieger stirbt und kommt in das große Drachenboot, ein Teil kommt in die neue Siedlung und ein Teil in das Heimatdorf. Der Rest wandert wieder in den Meepelvorrat des Spielers. Alternativ kann der Spieler im Zug auch einen fremden Jarl bezwingen. Dazu muss er Krieger im Dorf des Jarls haben und eine Verbindung zum kleinen Drachenboot ziehen können. Der Jarl wandert dann ebenfalls ins Drachenboot und bringt Punkte in der Höhe der Nummer, die auf dem niedrigsten freien Platz steht. Das bedeutet, dass der Jarl mehr Punkte bringt, wenn vorher mehr Krieger gestorben sind.

Nord_GroßesDrachenboot

Die ersten toten Krieger im Drachenboot

Kann ein Spieler weder einen Meepel platzieren, einen Jarl bekämpfen oder das große Drachenboot ist voll, dann kommt es zu einer von vier Wertungen im Spiel. Die erste und dritte Wertung sind Rohstoff-Wertungen. Die Spieler schauen, von welchen Rohstofffeldern sie Verbindungen zu ihren Siedlungen ziehen können. Jede Siedlung, in der ein Spieler nicht die wenigsten Krieger hat erhält für jedes Bergfeld und jedes Waldgebiet einen Punkt. Beliefert ein Bergfeld zwei Siedlungen erhält der Spieler dafür auch zwei Punkte. Die zweite und vierte Wertung sind Nahrungswertungen. In ihnen schaut man, dass man die Krieger in einer Siedlung versorgen kann. Die acht Felder, die um eine Siedlung liegen haben das Potential diese mit Nahrung zu versorgen. Jedes Waldgebiet, jedes Fischerboot und die Siedlung selber liefern je einen Nahrungspunkt an die Siedlung. Dabei ist es egal, ob die Arbeiter von einem selber oder vom Gegner stammen. Jeder Nahrungspunkt versorgt je einen Kämpfer jeder Fraktion in der Siedlung. Alle Kämpfer, die nicht mit Nahrung versorgt werden können wandern zurück in den Vorrat des Besitzers. Die übrig gebliebenen Meepel bringen ihrem Spieler Punkte und zwar in Anzahl versorgter Meepel zum Quadrat.

In den ersten Runden bleibt das Feld noch recht frei, da es zu vielen Konflikten kommt und die Arbeiter auf dem Feld nach einem Konflikt auf die Siedlungen, das Drachenboot und den Vorrat aufgeteilt werden. Erst, wenn sich die Krieger auf die Siedlungen verteilt haben und es nicht mehr zu Konflikten kommt, beginnt sich der Spielplan zu füllen.

Nord_Spielverlauf

Vorne die Fischerboote, in der Mitte das kleine Drachenboot.

Das Spiel endet nach der vierten Wertung. Während des Spiels können die Spieler auch Schätze einsammeln. Die Schätze gewähren Sonderaktionen. Ungenutzte Schätze bringen zum Spieleende zusätzliche Punkte.

Nord_gegenSpielende

Kurz vor der vierte Wertung

Fazit:
Hat man sich ersteinmal durch die umständlich geschriebene Spielanleitung gearbeitet erweist sich Nord als schnelles Taktikspiel, in dem es darauf ankommt, geschickt seine Meepel zu platzieren und seinem Gegner die ertragreichen Flächen auf der Insel wegzuschnappen. Gerade wenn das Spielfeld voller wird muss man ein gutes Auge dafür haben, wo sich noch Konflikte entwickeln können und wie man dem Gegner in den Karren fahren kann. Bei unserer Partie gab es die Situaion, dass einem Spieler absichtlich alle Fischerboote vor der Nase weggeschnappt wurden, wodurch er keine Seefelder neben seiner reich bevölkerten Siedlung belegen konnte und ihm dadurch bei der Wertung viele Krieger verloren gingen, da seine Siedlung unterversorgt war.

Nord_volleDoerfer

Die Siedlungen füllen sich. Vorne Fischer auf Seefeldern.

Der variable Spielaufbau sorgt dafür, dass man das Spiel gut an die Spielerzahl anpassen kann. Die einzelnen Inselteile haben noch eine zweite Seite, die das Spiel etwas anspruchsvoller machen soll.

Das Wikingerthema wirkt hier leider etwas aufgesetzt. Es wird zwar gekämpft aber nach einem Konflikt gegben sich die Wikinger in Nord recht diplomatisch. Die Jarle gehen hier nicht als große Kämpfer umher sondern warten in ihren Siedlungen darauf, dass sie von Invasoren umgebracht werden, dies dann mit Hilfe eines unbeweglichen Drachenbootes. Das Wikinger und andere historische/mystische Themen sind zwar schon seit Jahren populär, hier passt der thematische Mantel nicht 100% zum Spiel.

Die Grafiken sind stimmig. Dass hier der Illustrator von Carcassone am Werk war erklärt wohl auch zum Teil meine erste Assoziation zum Klassiker.
Der Prototyp besteht noch aus handgemachten Spielfeldteilen, die fertige Version soll aus hochwertigen Papp-Stanzteilen bestehen.

Nord ist ein Spiel für Vielspieler. Dadurch, dass es hier nicht auf Glück ankommt sollten die Spieler ein ähnliches Spielniveau haben, um den Spielverlauf spannend zu halten. Für altersmäßig stark gemischte Spielgruppen, besonders mit Kindern, dürfte Nord weniger geeignet sein.

Das Crowdfunding auf Spieleschmiede läuft noch bis zum 23. November. Während der Kampagne kostet das Grundspiel 39€, es fehlen aber noch circa 2500€ zum erfolgreichen Abschluss der Kampagne.

In der Kampagne kann auch schon die Jarl Erweiterung gekauft werden. Durch die Erweiterung können neutrale Jarle, also die Jarle, die beim Spielaufbau in Siedlungen gestzt werden, die nicht von Spielern besetzt sind, ersetzen. Solange ein besonderer Jarl lebt ist seine Siedlung interessante. So versorgt ein Waldfeld an Flokis Siedlung das Dorf mit 3 statt 1 Nahrung. Die Erweiterung kostet 8€.

Link: Nord in der Spieleschmiede (externer Link im neuen Tab)

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3 Gedanken zu „Review: Nord

  1. buschwiesel sagt:

    Nach dem „Regelprozedere“ war das Spiel irgendwann spielbar und hat dann auch für ein paar heitere Momente unter uns Testern gesucht. Dein Review trifft den Kern der allgemeinen Stimmungslage. Ach ja, auf dem dritten Bild (von oben nach unten gescrollt) ist auf der rechten Seite mein Blauer Hoodie und meine rechte Hand zu sehen.

  2. Vielen Dank für das Review.
    Die Verbindungs-Regeln sind mathematisch wasserdicht leider nur schwer zu formulieren, wenn man alle Fälle abdecken will.
    Umgangssprachlich ist das ganze deutlich einfacher zu verstehen, im Sinne von ‚1 bis 3 Männer in ein Gebiet, neue Verbindung löst einen Angriff aus‘.
    Die aktuelle Regel-Version wurde noch mal stark überarbeitet im Gegensatz zur Version, die den Prototypen beiliegt.

    Wenn wir das Ziel erreichen und ein erstes Produktionsspiel haben, wird es mehrere Regelvideos geben.
    Liebe Grüße
    Johnny

    • Hallo Johnny,
      danke für das Update.
      Das klingt gut. Videos dürften wirklich dabei helfen, dass Spiel schnell zu verstehen.
      Was beim Lesen der Prototyp-Regeln ja noch kompliziert klang war danach im Spiel leicht umsetzbar.

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